Akquiseaffen
Entscheidung·11 Min Lesezeit·25.06.2026

Eigener Vertriebler vs. Akquise-Agentur — die ehrliche Rechnung

„Wir stellen einfach jemanden ein, der macht Sales." Klingt einfach. Ist aber meist die teuerste Entscheidung der Saison. Hier rechnen wir offen vor, was ein eigener Vertriebler wirklich kostet, was eine Akquise-Agentur leistet — und in welchem Setup welche Lösung Sinn macht. Inklusive einer ehrlichen Aussage: wann ein eigener Mitarbeiter die bessere Wahl ist.

Inhaltsverzeichnis
  1. Warum die meisten falsch rechnen
  2. Gehalt ist nur der Anfang
  3. Vollkostenrechnung: ein SDR im 1. Jahr
  4. Akquise-Agentur: was wirklich drin steckt
  5. Beide Optionen direkt verglichen
  6. Wann lohnt sich welche Option?
  7. Die fünf Fallen bei beiden Wegen

Warum die meisten falsch rechnen

Wenn Agenturchefs „Vertriebler anstellen" überlegen, vergleichen sie meistens das Brutto-Gehalt mit der Agentur-Monatsrate. Das ist unfair — und führt regelmäßig zu falschen Entscheidungen.

Ein SDR mit 50 k € Brutto kostet das Unternehmen nicht 50 k. Er kostet — je nach Setup — eher 75 bis 95 k €. Tools, Onboarding-Zeit, Daten, Krankheitstage, Urlaub, Rampe bis Produktivität. Und das ist nur das Kosten-Teil. Was viele zusätzlich unterschätzen: Vertriebs-Mitarbeiter sind im DACH-Raum gerade extrem schwer zu finden und zu halten.

Vorab

Wir sind eine Akquise-Agentur. Klar sind wir befangen. Aber gerade deshalb lohnt sich ehrliches Rechnen — wir schicken Anfragen, bei denen ein eigener Mitarbeiter besser passt, auch konsequent weiter. Geht uns einfacher als Kunden, die nach 3 Monaten unzufrieden kündigen.

Gehalt ist nur der Anfang

Was ein Sales Development Representative (SDR) im DACH-Raum 2026 brutto verdient:

Dazu kommt fast immer eine variable Komponente: 20–40 % obendrauf, ausgezahlt bei Zielerreichung. Wir rechnen unten mit einem realistischen Mid-Level-SDR-Setup — das ist die Variante, die in 80 % der Agenturen tatsächlich angestellt wird.

Vollkostenrechnung: ein SDR im 1. Jahr

Wir rechnen mit einem soliden Mid-Level-Vertriebler — 55 k € Fixum, 15 k € OTE-Bonus bei Zielerreichung. Was kommt da konkret zusammen?

Beispielrechnung — 1. Jahr

Mid-Level SDR, Vollzeit, DACH

Gehalt fix: 55.000 €
Variable Komponente (Zielerreichung 70 %): ~ 10.500 €
Arbeitgeber-Nebenkosten (~21 %): ~ 13.755 €
Tools (CRM, Sales-Nav, Apollo, etc.): 4.800 €
Listen / Daten: 2.400 €
Onboarding & Schulung (Hidden Cost: 2–3 Monate Rampe): ~ 12.000 €
Arbeitsplatz / IT-Setup: 2.000 €
Recruiting-Kosten (Headhunter ~15 % vom Gehalt): 8.250 €

Effektive Jahreskosten Jahr 1: ~ 108.700 €

Ab Jahr 2 fallen Recruiting + Onboarding-Hidden-Cost weg → noch ca. 88 k €/Jahr.

Wichtig: Das ist der gute Fall. Bei 70 % Zielerreichung, ohne Krankheit, ohne Mid-Year-Kündigung. Branche-Realität: ca. jede dritte Sales-Anstellung wird in den ersten 12 Monaten beendet. Wer durch eine Fehlanstellung läuft, verbrennt typischerweise 60–90 k € zusätzlich (Gehalt während schlechter Performance + Re-Recruiting + Rampe Nummer zwei).

Direkter Vergleich Wir vs. eigener Vertriebler vs. klassische Agentur — als kompakte Tabelle.

Akquise-Agentur: was wirklich drin steckt

Akquise-Agenturen haben einen schlechten Ruf — meist verdient. Massen-Mails aus gekauften Listen, Termine mit fünf-stelligen Unternehmen die nie kaufen, intransparente Abrechnung. Eine seriöse Agentur dagegen liefert:

Preisrahmen (Pilot-Phase)

Was eine Akquise-Agentur typisch kostet

Setup (einmalig): 0–3.500 € (je nach Komplexität)
Monatlich: 2.500–6.000 € (je nach Volumen, Kanälen, Zielgruppe)
Tools & Listen: typisch inklusive
Vertragslaufzeit: 3–6 Monate (Pilot), danach monatlich

Effektive Jahreskosten: 30.000 – 72.000 € — ohne Setup-Risiko, ohne Ausfall-Risiko, ohne Onboarding-Loch.

Beide Optionen direkt verglichen

Hier die zwei Wege Seite an Seite. Wichtig: Kosten sind nur ein Teil — die anderen Punkte entscheiden meist über Erfolg oder Frust.

Direkt-Vergleich

Eigener SDR vs. Akquise-Agentur

Startzeit bis erste Aktivität:
SDR: 6–12 Wochen (Recruiting + Onboarding) — Agentur: 1–2 Wochen

Kosten Jahr 1:
SDR: ~ 108 k € (best case) — Agentur: 30–72 k €

Risiko bei schlechter Performance:
SDR: Kündigung kostet 60–90 k € extra — Agentur: monatlich kündbar

Skalierbarkeit:
SDR: linear (mehr Output = neue Person hiren) — Agentur: hoch (Volumen anpassbar)

Marken-Identifikation:
SDR: hoch — er ist dein Unternehmen — Agentur: kürzer, distanzierter

Wissens-Aufbau intern:
SDR: alles bleibt im Haus — Agentur: Reporting + Übergabe-Doku nötig

Wann lohnt sich welche Option?

Klare Empfehlung — ohne Verkaufs-Bias:

Eigener Vertriebler passt, wenn …

Akquise-Agentur passt, wenn …

Hybrid funktioniert oft am besten

Die meisten Agenturen, die wir kennen, fahren langfristig eine Mischform: Akquise-Agentur baut das System auf (3–9 Monate, bis es läuft), danach übernimmt ein interner SDR + die Agentur skaliert Top-Tier- Accounts weiter oder fährt sich runter. So sparst du Setup-Risiko und behältst Wissen langfristig im Haus.

Die fünf Fallen bei beiden Wegen

1. „Wir nehmen den günstigeren"

Der billigere SDR ist meist 35 k € — Junior, der noch nie B2B-Outbound gemacht hat. Onboarding-Zeit dann 6 Monate statt 3, Output erstes halbes Jahr nahe Null. Auf der Agentur-Seite das gleiche Bild: 1.500 €/Monat-Anbieter arbeiten fast ausschließlich mit gekauften Listen und Mass-Mail-Tools. Beides ist kein Sparen — beides ist Geld verbrennen mit besserer Optik.

2. „Wir geben ihm 3 Monate Zeit"

Ein neuer SDR braucht im DACH-Raum für komplexere Angebote realistisch 4–6 Monate bis verlässlicher Output. Wer nach 3 Monaten kündigt, verbrennt das halbe Rekruiting-Investment. Wer ihm 9 Monate gibt ohne klare KPIs, verbrennt das andere halbe.

3. „Die Agentur muss Termine garantieren"

Jede Agentur, die eine Termin-Garantie ausspricht, hat einen Trick: nicht qualifizierte Termine zählen mit, Show-up-Rate ist nicht abgesichert, No-Show wird als „erfüllt" gewertet. Garantien klingen gut, sind im Detail meist Augenwischerei. Lieber harte Qualifizierungs-Kriterien definieren und transparent tracken.

4. „Wir haben kein CRM, aber das kommt später"

Egal welcher Weg: ohne CRM ist alles verloren, was du investiert hast. Du verlierst Reply-History, Trigger-Daten, Conversion-Tracking. Bevor du jemanden einstellst oder eine Agentur bezahlst: HubSpot Free, Pipedrive Starter, Close oder ähnliches einrichten. Das ist die Basis.

5. „Sales-Outsourcing bedeutet, dass ich nichts mehr machen muss"

Falsch. Eine gute Akquise-Agentur entlastet dich von Recherche, Erstansprache, Follow-up und Termin-Setting. Aber: du musst noch closen. Du musst ICP-Feedback geben. Du musst Trigger-Themen aus deiner Branche teilen. Outsourcing ist Partnerschaft, nicht „Knopf drücken und warten".

Zusammenfassung

Die Entscheidung ist nicht „billiger" — sondern Risiko vs. langfristige Wertschöpfung. Eine Akquise-Agentur reduziert Setup-Risiko, bringt schnelle Lernkurve, ist kündbar. Ein eigener Vertriebler baut langfristiges Asset im Haus — kostet aber Zeit, Recruiting-Energie und Onboarding-Kapital.

Realistischer Pfad für die meisten B2B-Agenturen: Mit einer Akquise-Agentur anfangen, das System aufbauen, sehen ob die Pipeline trägt — und parallel langfristig eine interne Sales-Funktion daneben aufbauen. Beides ergänzt sich.

Soll ich mit dir mal ehrlich durchrechnen?

Wir zeigen dir im kostenlosen Erstgespräch, was dein Setup wirklich kosten würde — und ob ein eigener Vertriebler oder unsere Agentur (oder die Hybrid-Lösung) zu deinem Stand passt. Kein Verkaufs-Druck, ehrliche Empfehlung.

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Häufige Fragen

Lohnt sich ein eigener Vertriebler für kleine Agenturen (1–5 MA)?
Selten. Bei der Größe ist der Founder meist noch im Sales aktiv und das Volumen rechtfertigt keinen Vollzeit-SDR. Sinnvoller: Akquise-Agentur für die Erstansprache, Founder schließt selbst die Termine. So skaliert der wertvollste Closer (du) ohne 80 k € Fixkosten pro Jahr.
Was ist mit Freelance-SDRs als Mittelweg?
Geht. Vorteil: keine Festkosten, flexibel. Nachteil: meist deutlich teurer pro Stunde, Verfügbarkeit unsicher, kein Wissens-Aufbau ins Haus. Funktioniert am besten als Überbrückung (3–6 Monate), nicht als Dauerlösung.
Wie lange braucht eine Agentur, bis die ersten Termine kommen?
Ehrlich: 1–2 Wochen für sauberes Setup (Listen, Hooks, Skripte), dann meist ab Woche 3–4 erste echte Gespräche. „Termine in 48 Stunden" funktioniert nur mit gekauften Listen und Massenversand — das willst du nicht.
Kann ich später vom Agentur-Modell zum eigenen SDR wechseln?
Ja, das ist sogar der typische Pfad. Wichtig vorher: Saubere CRM-Übergabe, Skript-Doku, ICP-Definition schriftlich. Eine gute Agentur bereitet diesen Switch mit vor — nicht jede tut das.
Wie messt ihr Erfolg objektiv?
Drei Kern-KPIs: (1) qualifizierte Erstgespräche pro Monat, (2) Show-up-Rate dieser Termine, (3) Pipeline-Wert aus diesen Gesprächen. Das ist es. Alles andere (Open-Rates, Click-Rates) sind Vanity-Metriken.